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Fauvel

Die Schicksalsgöttin Fortuna holt, gegen den Einwand der Vernunft, den Esel Fauvel aus seinem Stall und setzt ihn auf den höchsten Thron der Macht.

Hohe und niedere weltliche und geistliche Würdenträger und Staatsdiener sowie zahlreiche andere Bewunderer Derer „da oben“ kommen, huldigen und schmeicheln Fauvel hingebungsvoll.
Er lässt beweisen, dass die Sonne ihr Licht vom Mond empfängt, damit geglaubt wird, seine Macht beruhe auf seiner eigenen Stärke.

Mit Besorgnis hört Fauvel von Fortunas unsteten Launen und beginnt, seine wirkliche Unfähigkeit zu fürchten.
Im sicheren Glauben, seine hohe Position sei das Resultat von Fortunas Wertschätzung, macht Fauvel ihr einen Heiratsantrag und hofft, damit Herrschaft über sie zu gewinnen.
Sie aber macht ihn lächerlich und zeigt ihm seine Wertlosigkeit.
Schließlich bewegt Fortuna den unermüdlich werbenden Fauvel zum Rückzug, indem sie ihn mit einer Dame aus ihrem Gefolge – Vaine Gloire (Eitel Ruhm) – besticht.

Froh, nicht leer ausgegangen zu sein, beschließt Fauvel, Vain Gloire zu heiraten und ein großes Hochzeitsfest mit Turnier zu veranstalten. Alle Welt wird eingeladen – besonders Fauvels Vasallen, die Laster (Dummheiten).
Auch die Tugenden (Weisheiten) hören davon und machen sich ebenfalls auf zu Fauvels Fest. Sie sind entschlossen, die Gelegenheit zu nutzen, wirkliche Kraft und Stärke zu zeigen.

In der Hochzeitsnacht kommen die Charivaris*, rufen den Herlequin herbei und bewerfen Fauvel und Vaine Gloire mit Dreck, machen furchtbare Musik und singen ihnen böse und verächtliche Lieder.
Auch sie wollen Fauvel auf seinen Selbstbetrug aufmerksam machen; er fühlt sich jedoch nur gestört.

Am nächsten Tag findet das Turnier trotz der nächtlichen Mahner statt.
Die Tugenden treten gegen die Laster an und erringen schon fast den Sieg. – Da lässt Fortuna angesichts der drohenden furchtbaren Niederlage von Fauvels Parteigängern das Turnier auf „höchste Anordnung“ abbrechen:
„Die Zeit zur Abrechnung ist noch nicht gekommen“.

Fauvel, noch einmal davongekommen, zeugt mit Vaine Gloire viel Nachkommen.
Die ganze Welt ist von ihnen verseucht.

Der Erzähler geht einen Trinken.

*Charivari, frz. Lärm, Krawall, „Katzenmusik“. Im MA üblich: Vermummte und Maskierte spielten lärmend bizarre Melodien, auch in Verbindung mit Formen der Volksjustiz