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Der Roman de Fauvel

Der Zorn der Autoren des "Fauvel" über Korruption und Machtgier bei Hof und in der Kirche im Frankreich des 13./14. Jahrhunderts war stark. So stark, daß sie ihn in ihrem Werk ungeschminkt wortgewaltig und dramatisch äußerten. Buch Eins des "Roman de Fauvel" ist 1310 anonym entstanden. Der Autor von Buch Zwei ist Gervais du Bus. Die Texte und Musik für unser Stück haben wir der Ausgabe entnommen, die 1316 von Chaillou de Pesstain mit Musik, Bildern und zusätzlichen Versen erweitert wurde. Manche der Musikstücke sind über 100 Jahre älter als der Roman und wurden mit neuen Texten versehen, die seine Geschichte erzählen und kommentieren. Einige der neu komponierten Stücke imitieren ältere Stile, aber die musikalische Avantgarde der Zeit ist auch vertreten, z. B. durch Philippe de Vitry, der ca. 1322 den Stil und den Begriff "Ars Nova" für sein Traktat verwendete.

Warum eine szenische Aufführung in der heutigen Zeit?

Die Aktualität des Stoffes ist offensichtlich: Worüber die Poeten und Musiker des 14. Jahrhunderts klagten, zürnten und spotteten und worunter die Menschen litten waren: Käuflichkeit und Machthunger, Dummheit, Liebedienerei und Maßlosigkeit, Bösartigkeit und fehlende Vernunft. Fauvel, Symbol dieser Eigenschaften, ist bis heute mit all seinen Nachkommen unter uns. Die Chaillou - Ausgabe des "Fauvel" ist eine Collage der Werke mehrerer Dichter, Schreiber, Maler und Komponisten. Eine Collage der Künste, von der ihre Autoren nach Art und Geist des Mittlelalters erwartet haben, dass sie von anderen aufgenommen, weitergeführt, verändert und ergänzt wird.In unserer Inszenierung wollen wir verdeutlichen, dass der Aufschrei der damaligen Künstler ihren genauso wie unseren Lebensbedingungen gilt. Wir führen deshalb kein Mittelalter - Kostümstück auf. Der scharfsinnige, sprachgewaltige und witzige Originaltext und die auch heute noch - oder wieder - erstaunlich modern anmutende Musik sprechen für sich. Wir beschäftigen uns seit den 90er Jahren mit dem musikalischen Stoff des Roman de Fauvel und der Idee einer szenischen Umsetzung. Mit den Mitteln von Erzählung, Tanz, Schattenspiel und Musik gestalten  wir eine lebendige Inszenierung der mittelalterlichen Vorlage, die beim Zuschauen und -hören emotionalen Kontakt mit der Welt des Chaillou, Gervais und den anderen Autoren erweckt.
Die Verbundenheit mit Brecht'scher Theatertradition durch die Regie Ilse Scheers und die Choreographie des mit modernem und historischem Tanz vertrauten Jaime Tadeo Mikan bürgen für stilsichere Werkbezogenheit.
Unserem Stück "Warum die Esel an der Macht sind - die Geschichte vom Fauvel" liegt die Chaillou - Ausgabe zugrunde, die sich in der Nationalbibliothek in Paris befindet.
Die Verse des altfranzösischen Textes haben wir ins Deutsche übersetzen lassen und aus den 167 original enthaltenen Musikstücken 27 ausgewählt, übertragen, arrangiert und instrumentiert.
Wir verwenden die Instumente und Aussprache der Zeit.